Dyspareunie/
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
Aus körperpsychotherapeutischer Sicht können Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) für Frauen ein komplexes Thema sein. Oft leiden Frauen darunter, dass keine körperliche/organische Ursache gefunden werden konnte und die Schmerzen dennoch da sind. Wichtig ist in jedem Fall, dies vorher beim Arzt abklären zu lassen. Es wird davon ausgegangen, dass bis zu 50% aller Frauen in ihrem Leben mit diesem Thema bereits konfrontiert waren bzw. sind. Der Körper und die Psyche sind untrennbar miteinander verbunden, und Schmerzen im Intimbereich können Ausdruck von ungelösten Spannungen, traumatischen Erfahrungen, Ängsten, Stress oder einem negativen Körperbild sein.
Körperliche und psychische Wechselwirkungen:
- Verspannungen: Chronischer Stress und ungelöste emotionale Konflikte können sich im Körper manifestieren, insbesondere in der Beckenbodenmuskulatur. Diese Muskeln können unwillkürlich anspannen und so das Eindringen beim Geschlechtsverkehr erschweren oder schmerzhaft machen. Interessant ist dabei auch die Kiefermuskulatur, diese steht im engen Zusammenhang mit dem Becken. Achte bewusst darauf diese zu entspannen.
- Trauma: Sexuelle oder andere traumatische Erfahrungen können tiefe Spuren im Körpergedächtnis hinterlassen und zu einer Schutzspannung im Beckenbereich führen. Diese Spannung kann sich als Schmerz beim Geschlechtsverkehr äußern.
- Angst und Erwartung: Die Angst vor Schmerzen kann zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Allein die Erwartung von Schmerz kann zu einer unwillkürlichen Anspannung der Beckenbodenmuskulatur führen und den Schmerz tatsächlich auslösen oder verstärken.
- Körperbild und Selbstakzeptanz: Ein negatives Körperbild oder mangelnde Selbstakzeptanz können zu einer Distanzierung vom eigenen Körper und der eigenen Sexualität führen. Dies kann sich in körperlichen Spannungen und Schmerzen äußern.
- Kommunikation und Beziehung: Schwierigkeiten in der partnerschaftlichen Kommunikation oder ungelöste Beziehungskonflikte können sich ebenfalls körperlich manifestieren und zu sexuellen Problemen beitragen.
- Der richtige Zeitpunkt: Wichtig ist auch, sich erst zu öffnen, wenn die Frau wirklich soweit ist. Hier ist es wichtig sich selbst nicht zu übergehen und klar Grenzen zu setzen
Körperpsychotherapeutische Ansätze:
Die Körperpsychotherapie betrachtet den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele. Bei Schmerzen beim Geschlechtsverkehr geht es daher nicht nur darum, die körperlichen Symptome zu behandeln, sondern auch die zugrunde liegenden psychischen und emotionalen Ursachen zu erforschen und zu bearbeiten.
Ein körperpsychotherapeutischer Ansatz kann folgende Elemente beinhalten:
- Gespräch: Das Gespräch dient dazu, die persönliche Geschichte der Frau zu verstehen, mögliche traumatische Erfahrungen oder belastende Lebensumstände zu erkennen und emotionale Blockaden aufzudecken.
- Körperwahrnehmung: Übungen zur Förderung der Körperwahrnehmung helfen der Frau, ihren Körper bewusster zu spüren, Spannungen zu lokalisieren und ein Gefühl für ihre Grenzen zu entwickeln.
- Atemarbeit: Eine bewusste und tiefe Atmung kann helfen, das Nervensystem zu beruhigen und körperliche Spannungen zu lösen.
- Bewegung und Ausdruck: Durch sanfte Bewegungsübungen und die Möglichkeit, Gefühle körperlich auszudrücken, können Blockaden gelöst und ein neues Körpergefühl entwickelt werden.
Was kannst du tun?
Übungen zur Entspannung der Beckenbodenmuskulatur:
Die folgenden Übungen können helfen, die Beckenbodenmuskulatur bewusst zu entspannen und Verspannungen zu lösen. Es ist wichtig, diese Übungen regelmäßig und achtsam durchzuführen.
Die Schmetterlingsposition (liegend):
- Lege dich auf den Rücken und winkle die Beine an.
- Lasse die Knie sanft nach außen fallen, so dass die Fußsohlen sich berühren.
- Entspanne die Hüften und den Beckenboden.
- Atme ruhig und tief ein und aus und spüre, wie sich der Beckenbereich mit jeder Ausatmung weiter entspannt.
- Du kannst die Knie mit Kissen unterlagern, wenn die Dehnung zu intensiv ist.
- Bleibe für einige Minuten in dieser Position.
Beckenkippung (liegend oder im Vierfüßlerstand/Cat- Cow Position):
- Liegend: Lege dich auf den Rücken, winkle die Beine an und stelle die Füße flach auf den Boden. Atme ein und neige das Becken leicht nach vorne (ein leichtes Hohlkreuz entsteht). Atme aus und neige das Becken nach hinten, so dass der untere Rücken flach auf dem Boden liegt. Wiederhole diese Bewegung sanft und achtsam.
- Vierfüßlerstand: Stelle Hände und Knie schulter- bzw. hüftbreit auf. Atme ein und lasse den Rücken leicht durchhängen (Kuh-Position). Atme aus und mache einen Katzenbuckel, ziehe das Schambein leicht nach innen und entspanne den Beckenboden. Wiederhole diese Bewegung sanft und achtsam.
Atemlenkung in den Beckenboden:
- Lege dich bequem auf den Rücken oder setze dich entspannt hin.
- Schließe die Augen und richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Beckenboden.
- Stelle dir vor, wie mit jeder Einatmung der Atem in deinen Beckenbereich fließt und ihn weitet und entspannt.
- Mit jeder Ausatmung lasse alle Anspannung los.
- Wiederhole diese Übung für einige Minuten.